Schulprojekt:

Unsere Verantwortung für den Frieden

Käthe Kollwitz: "Trauernde Mutter mit totem Sohn", 1937 / 1938 von ihr geschaffen

In der neuen Wache, in Berlin an der Straße unter den Linden befindet sich die offizielle Mahn- und Gedenkstätte der Bundesrepublik Deutschland. In der Mitte dieser Gedenkstätte steht die Skulptur "Trauernde Mutter mit totem Sohn". Käthe Kollwitz wollte mit diesem Kunstwerk an ihren Sohn erinnern, der im ersten Weltkrieg in Flandern gefallen war. Hunderttausende weißer Kreuze in Belgien und Nordfrankreich sind ein Zeichen dafür, dass Käthe Kollwitz die Erfahrung von Verlust und Trauer mit vielen Frauen aus allen Nationen teilt, die ihre Ehemänner, Söhne und Brüder auf den Schlachtfeldern der großen Weltkriege verloren haben. Sie mahnen uns zum Frieden, denn sie geben ihre persönlichen Erfahrungen an ihre Kinder und Enkelkinder weiter. Unsere Generation, die Generation der Enkel und der Urenkel ist aufgerufen, aus der Geschichte von Hass und Gewalt zu lernen und dem Krieg den Frieden und der Erziehung zum Krieg die Erziehung zum Frieden gegenüberzustellen. Daher interessiert uns in einem Geschichtsunterricht, der Vergangenheit, Gegenwart und Zukunft miteinander verbindet, nicht in erster Linie die Perspektive der Politiker, die Kriege vorbereiten und der Generäle, die Kriege führen. Wir betrachten die Geschichte vielmehr mit den Augen der trauernden Mütter und aus der Sicht von Menschen, die sich bereits vor dem Ausbruch des Krieges für die Bewahrung des Friedens eingesetzt haben.

Die dauerhafte Integration der Friedenserziehung in Schule und Unterricht, insbesondere in den Geschichtsunterricht ist eine bleibende Verpflichtung aus der deutschen Geschichte. (vgl. dazu das Unterrichtsbeispiel "Aspekte der Friedenserziehung als Aufgabe des Geschichtsunterrichts").

Menschen, die sich für Frieden und Versöhnung einsetzen, dürfen nicht in Vergessenheit geraten; dazu gehört auch der ehemalige polnische Außenminister Wladyslaw Bartoszewski, ein Brückenbauer zwischen Deutschen und Polen. (Lesen Sie dazu seine persönlichen Lebenserinnerungen).

Das Nikolaus-Groß-Abendgymnasium ist ein von Christen geprägtes Weiterbildungskolleg. Wir glauben, dass Gott der Herr der Geschichte ist und uns seinen Frieden gibt. So tragen wir unsere menschlichen Bemühungen um die Bewahrung des Friedens in den Schulgottesdienst hinein. (vgl. dazu die Gestaltung des Schulgottesdienstes zu diesem Thema). Wir bitten Gott um seinen Frieden und reichen uns die Hand zum Friedensgruß. So bilden Schule, Unterricht und Gottesdienst eine organische Einheit.

Auf der Grundlage unserer historischen Erfahrungen und im Lichte unseres christlichen Glaubens sind wir verpflichtet, alles Menschenmögliche zu tun, um auch in unserer Zeit den Frieden in der einen Welt, in unserer Gesellschaft und in der Begegnung mit Anderen zu bewahren. Dazu gehört u. a. auch die Verpflichtung, sich umfassend über dieses Thema zu informieren. (vgl. dazu die Linksammlung im dritten Teil dieses Unterrichtsprojektes).

Die Erziehung zum Frieden und der konkrete Einsatz für die Bewahrung des Friedens gehören zu den zentralen Aufgaben unserer Schulen und Weiterbildungseinrichtungen. Ich lade daher alle, denen dieses Anliegen - auch, aber nicht nur vor dem Hintergrund der aktuellen politischen Lage - wichtig ist, zu einem Dialog über die Thematik ein. (schulleitung@abendgymnasium-essen.com).

Essen, den 27.01.2003
Bernhard Nadorf (Schulleiter des Nikolaus-Groß-Abendgymnasiums)